Dienstag, 23. März 2010

Ganz schön schöpferisch, feminin und erotisch

Die Plüderhäuser Ateliergemeinschaft Art 5 feierte drei Tage ihren zehnten Geburtstag mit vielen Gästen

Plüderhausen (mpf).
Zehn Jahre Ateliergemeinschaft Art 5 viele Kunstschaffende und interessierte aus dem Remstal, von Plüderhausen, Schorndorf bis nach Winterbach, nahmen’s am Wochenende zum Anlass, den runden Geburtstag der Plüderhäuser im Domizil am Ortseingang an drei Tagen ausgiebig zu feiern.


Schon am Freitagabend war’s proppenvoll auf den 180 Quadratmetern im Erdgeschoss der Jakob-Schüle-Straße 54 (genauso am Samstag, als abends Calo Rapallo in die Saiten griff), wiewohl Martina Bystry, Anton Frey, Rolf Fürlinger, Martin Greiner, Gabi Häussermann, Karin Lutz, Daniel Hühnerbein und Helmut Saling als  Gastgeber an diesem Tag kurzfristig auf den erkrankten GEZ Zirkelbach als Vernissagenredner und Musiker verzichten mussten. Anna Eiber als Rednerin und „Der erste Jazzversuch“ um Bernd Waldheim sprangen ein, der eindrücklichen, vielschichtigen Ausstellung mit Worten und Tönen Geleit zu geben. „Es ist ein Ort, an dem man sich austoben kann, losgelöst vom üblichen Anspruch auf Leistungen und wie man zu sein hat“, sagte Anna Eiber, und doch war vieles, was es da zu sehen gab, alles andere als Meister Zufall oder bloßem Wollen geschuldet, sondern Können und geistvoller Inspiration. Die Skulpturen von Bystry, Lutz, Frey, Greiner entpuppten sich als echte Hingucker. Sieht man mal von „Adams Mistake“ ab, der den Apfel greift - in der Summe eine sehr feminine Ausstellung. Das eine Teil schmeichelt dem Auge, lockt die Hand zum Berühren, anderes zeigt treffliches Zusammenspiel von Holz und tönerem Frauenkörper, dort schwingen sich Grazien an Fäden in die Höhe, da recken sich Anton Freys gestaltete Frauenkurven in die Höhe. Alben mit Fotografien zeichnen den Weg vom bloßen Stein bis zur fertigen Skulptur nach, erzählen en passant auch den wechselvollen Prozess, auf den sich die Urbacherin Karin Lutz eingelassen hat. Auch die poppigen Frauenbilder des Lorchers Rolf Fürlingers verraten trotz aller erotischenglitzernden sinnlichen Überzeichnung den humorvoll-schelmischen Blick, wirken nicht billig obszön oder geistlos pornografisch.

Bald mutige Teenagerin

Auch ohne üblichen Anspruch können sich die gezeigten Leistungen sehen lassen. Art 5 scheint alle Voraussetzungen zu haben, eine kreative, mutige Teenagerin zu werden.
















Art 5 feierte am Wochenende an drei Tagen in Plüderhausen Geburtstag mit einer Ausstellung auch vonGastkünstlern. Ein Ja zur ebenso geist- wie humorvollen Sinnlichkeit zog sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Unser Foto zeigt Makro-Blüten-Aufnahmen von Susanne Blessing, eine Skulptur von Karin Lutz, Salz- und Pfefferstreuer von Walter Conzelmann. Bild: Schneider

(Quelle: ZVW)

Noch eine kleine Anmerkung zur Bildunterschrift: Im Hintergrund ist keine Makroblüte von Susanne zusehen sondern eines der floralen Bilder von Gabi. Dafür ist Susanne selbst auf dem Bild.

Sonntag, 21. März 2010

....männlicher Produktivitätsbeweis-AusleihGenuss hier....










....akzeptieren der Vergänglichkeit durch Kreieren haptischer Salz-Pfeffer-Chili-Streuiger nießreizFlüchtiger Gewürzgemälde dort....
Auch am Sonntag zahlreiche sich KunstLabende GästeAugenschmauser... und beeindruckt-Lobesreden-genieß-KünstlerOhrschmauser

Geile Party am Samstagabend...







Samstag, 20. März 2010

Nach ner Woche AufräumPutzEntrümpelSchrubb-...bis fast zu BodenAufschleckSäuberungsAktion und Werke insLichtRückRumUndNumÜberlegerei erstrahlte unser Atelier schon am Vor-Vernissage-Mittag belohnend in vollem Glanz....
Die Ernstnahme der Bedenken, einen Turmbau-zu-Babel zu riskieren, führten zu vorzeitigem entzückendOrangeKröningenSäulenabschluss....
und dem Beschluss einer ZweitsäulenKreation...
Bei unserer GemeinschaftswerkVergemeinsamung leiterte unser Anton mit langLockWehender Mähne Wetterfroschig, um die SäulenKunstSäule mit einem KunstharzInnenausguss zu stabilisieren...
und sorgte so für frühlinghaftes sonnigheiteres Vor-VernissageWetter
"Mach!Mach"...drängelSchubbbst MartiNANA unseren Fürli am Vor-Vernissage-Mittag zu StänderStabilitätsBestlösung an...
oder klopft ihm beruhigend auf die Schulter?










Stellenweise kein Durchkommen
















aktuelle Eindrücke Vernissage
















Freitag, 19. März 2010

vorher - nachher










1200Gradige Energie ist ne unbeeinflussbar eigenwillige Verwandlungskünstlerin
bepinselte Unikums
unseres Gemeinschaftsprojekts
vor dem Glasurbrand

Dienstag, 16. März 2010

Wo der Mensch Künstler sein darf

In Plüderhausen gibt es nun schon zehn Jahre eine kleine Insel künstlerischer Freiheit, auf der es möglich ist, enge Grenzen der Konvention respektive dessen, was sich gehört, auch mal sein zu lassen. Da traut sich eine Frauengruppe, sich bei der Beschäftigung mit Ton mit der Körperlichkeit spielerisch-ironisch zu beschäftigen: Da werden aus Brüsten Mordsbusen und aus Hintern richtige Atomärsche ...

Die Mieterin Art 5, eine inzwischen neun Köpfe starke Künstlergruppe, ist offen für Gastkünstler. Sie lebt nicht von der Kunst, aber mit künstlerischem Tun. Es ist möglich, persönliche, alltägliche Aufs und Abs mitzubringen, hineinzutragen ins Atelier und kreativ zu werden, auch Neues zu wagen, sich Tipps zu holen von den anderen. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Ansonsten ist es wie in jeder Beziehung. Sie haben Spaß, aber manchmal, wenn die Konzentration gestört wird, gehen sie sich auch auf den Keks. Bei Konflikten wird der gemeinsame Nenner gesucht. Einen Teppich, unter den Strittiges gekehrt wird, gibt’s nicht in der ehemaligen Gerberei.

Und manchmal ist es seltsam: Die gewagtesten, schrägsten Werke, etwa Rolf Fürlingers gemalte Begegnung auf dem Damenklo, nachts um drei, die in den eigenen Reihen nicht nur Fans gefunden hat, finden zuweilen am ehesten Käufer. In den zehn Jahren haben sie schon etliche Ausstellungen auf die Beine gestellt und Kontakte zu anderen Kunstinteressierten bekommen. Art 5 ist angekommen in Plüderhausen, versteckt sich auch nicht, hat schon mal ein leeres Ladengeschäft mit Werken bestücken dürfen, zarte Verbindungen zu Schulen und Volkshochschule geknüpft. Die Jakob-Schüle-Straße 54 ist nicht einsam wie die Insel Robinsons. Jährlich laden sie ein zu einer Ausstellung, Gäste sind mindestens zweimal wöchentlich willkommen. Auch Gruppen, die kreativ werkeln wollen, können gegen Obolus das Atelier nutzen.
In der Adelberger Straße fand sich ein schnuckeliges altes Haus
Angefangen hatte alles im Jahre 2000 bei der Ausstellung „Kunst & Hobby“ in der Staufenhalle, wo sich Leute fanden, die vom heim(l)ischen, isolierten Kunstschaffen wegwollten in eine Gemeinschaft Gleichgesinnter. Man traf sich erst beim Künstlerstammtisch im „Dudelsack“ (heute „Bei Pino“) und irgendwann geronnen die Wünsche und Ideen von Martina Bystry, Klaus Greiner, Martina Schindler, Rolf Fürlinger und Anton Frey zur Realität: Mit der Adelberger Straße 5 fand sich ein schnuckeliges altes Bauernhaus, das der Gemeinde gehörte. Es stand unter Denkmalschutz und jeder des Quintetts fand seinen Raum drin, wo ein Ofen für Behaglichkeit sorgte. Im Kuhstall, in dem die Arbeiten mit dem Stein vonstattengingen, war’s im Winter auch mal affenkalt. Art 5 war geboren, aber nach fünf Jahren war’s vorbei mit dem Idyll. Das Haus brannte im Dezember 2005 aus ungeklärten Gründen ab, und manche Feuerwehrleute machten sich nach dem Löschen einen Riesenspaß draus, Skulpturen mit spärlich bekleideten Damen auf Bahren, auf denen sonst Verletzte geborgen werden, hinauszutragen ...

Die somit abgebrannte Künstlergruppe zerbrach über dem Schicksalsschlag nicht. Vielmehr suchte sie, zu der sich zwischenzeitlich auch Gabi Häussermann gesellt hatte, neue bezahlbare Räume. Das dauerte, und schließlich wurden sie nach einigen Monaten fündig und konnten nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im November 2006 in der Jakob-Schüle-Straße 54 ein Domizil finden, in das der Eigentümer zwar nichts investiert und in dem das Damoklesschwert eines Verkaufs jederzeit über ihnen hängt – aber: Die Investoren standen seither nicht Schlange. Und so leben sie – Küche und anderes Mobiliar ersteigerten sie bei Ebay – im Gebäude mit türkischen Familien unter einem Dach. Gehämmert und gemeißelt wird maximal bis 22 Uhr und ganz leise sind sie eine halbe Stunde später. Das Zusammenleben funktioniert. Man respektiert sich, wahrt aber den Abstand. Dienstag- und donnerstagabends ist jeweils offenes Atelier. Einmal kam schon mal ein türkisches Familienoberhaupt runter zum Schauen ins etwa 180 Quadratmeter große Gemeinschaftsatelier, aber was er da an Freizügigkeit sah, scheint ihn (noch) nicht recht beflügelt zu haben, die Frauen und Kinder hinterherzuschicken ...

Schorndorfer Nachrichten 13.03.2010